Stefan Gabriel

 
 

HNA zu Besuch PDF Drucken
Kassel. Hajime! Und los geht′s. Per Faustschlag wird der Angriff gegen den Partner angedeutet. Treffen wird er allerdings nicht. Weil der Verteidiger seitlich aus der Bahn geht, einen Ellbogenstoß simuliert und mit einem Tritt in die Wade den Vorstoß seines herannahenden Kontrahenten unterbindet.

Yame! Übung beendet. Was rund 20 Sportlerinnen und Sportler einmal wöchentlich in der Sporthalle der Goetheschule trainieren, ist ein moderner und innovativer Karatestil, der sich nebenbei perfekt als Selbstverteidigung eignet. Taiki-Do. "Tai" meint den Körper, "Ki" ist die Energie und "Do" beschreibt den Weg. Dabei geht es nicht um eine völlig neue Sportart, sondern um eine Weiterentwicklung und sinnvolle Verbindung von Shotokan-Karate und anderen Kampfkünsten. Des Weiteren fließen Elemente von Yoseikan-Budo, Hapkido, Kendo, Tai-Chi, Boxen, Bogenschießen und Turnen mit ein. Der federführende Entwickler ist der Kasseler Erich Hölzer.

"Gesundheit und Vitalität stehen im Vordergrund, ganzheitliche Körperkultur, Fitness und effektive Selbstverteidigung sind die Ziele. Wir haben seit 1997 die positiven Aspekte der einzelnen Kampfsportarten herausgegriffen und diese dann zu einem neuen Stil zusammengefasst", erklärt Trainer Carsten Sievers, der gemeinsam mit Hölzer den Unterricht leitet. Mittlerweile gibt es ein umfangreiches Ausbildungsprogramm, aus dem man sich seine eigenen Schwerpunkte und Inhalte auswählen kann.

Ziel des Taiki-Do ist es, nicht als Konkurrenz zu den traditionellen Künsten aufzutreten, sondern als sinnvolle Ergänzung und Vermittler zwischen verschiedenen Systemen zu agieren. Wettkämpfe gibt es keine, aus einem guten Grund: "Das ist mit dem gesundheitlichen Aspekt nicht zu vereinen, da das Training, die dort gezeigten Techniken sowie die Belastung zu einseitig wären. Uns geht es um die Explosivität und Genauigkeit in der Ausführung, die im Ernstfall funktionieren sollten", erzählt Sievers, Mitentwickler des Systems und Inhaber des fünften Dan im Taiki-Do.

Scharfe und stumpfe Waffen

Beim Training in der Turnhalle jedenfalls geht alles blitzschnell. Faustangriff, Abwehr, Schulterwurf, das war's. In Millisekunden ist der Kontrahent unschädlich gemacht. Und das nicht nur aus eigener Kraft. Stumpfwaffen wie Stöcke, Sai oder Holzschwerter gehören im Zweikampf genauso zum Programm wie japanische Schwerter und Messer, die als scharfe Waffen individuell trainiert werden. Auch Bogenschießen ist am Ende prüfungsrelevant.

"Zudem trainieren wir weiterhin die traditionellen Shotokan- und Übungen anderer Kampfkünste, hinzu kommen Taiki-Do-Übungen, die das wesentliche der Kampfkunst, also kleine Anzahl der Techniken mit hoher Frequenz und Genauigkeit, herausstellen", begründet Sievers. Eine Altersgrenze für Taiki-Do gibt es nicht, ganz im Gegenteil, beim Karate-Dojo Kassel trainieren Sportler zwischen 10 und 85 Jahren. Und lernen, wie die "leere Hand" (Karate) den "sanften Weg" (Judo) beschreitet - Taiki-Do eben.

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